- O f f e n e r B r i e f -
BRAVO
z.Hd. des Chefredakteurs
Herrn Uli Weissbrod
Postfach 200340
80003 München
Berlin, den 15. August 2003
Dr. Sommer-Team
Sehr geehrter Herr Weissbrod,
wir sind entsetzt über die Verantwortungslosigkeit und Unwahrheit, die in einigen Antworten des Ratgeberteams der BRAVO zum Ausdruck kommen.
Beispiel (aus der BRAVO-Internetseite): "Ich hab´s mit einem Fremden gemacht". Einem 15-jährigen Mädchen, das suggestiv auf das Verlangen eines wildfremden Mannes Geschlechtsverkehr erduldet hat, wird lapidar mitgeteilt: "Du hast getan, was sich andere höchstens in kühnen Fantasien ausmalen. Dazu gehört auch Mut. Nimm dein Erlebnis als das, was es war: als spannende Erfahrung! Wirklich blöde wär nur, wenn Ihr bei eurer spontanen Sex-Begegnung kein Kondom benutzt hättet."
Solche Antwort ist geradezu geeignet, andere Teenager zu solchen verhängnisvollen "Abenteuern" zu ermuntern. Sie ist fachlich unkompetent und verantwortungslos!
Weiß das Dr. Sommer-Team nichts über den rasanten Anstieg von Teenagerschwangerschaften und -abtreibungen? Im Vergleich der Jahre 1996 und 2002 sind die Abtreibungen bei unter 15-Jährigen von 365 auf 761 gestiegen und bei unter 18-Jährigen nahmen sie um 57% zu (Statistisches Bundesamt, 08.04.2002).
Das Robert-Koch-Institut hat wegen der Zunahme der Geschlechtskrankheiten (Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 100, Heft 7 vom 14.02.2003) eine bundesweite Erhebung sexuell übertragbarer Krankheiten gestartet.
In dem Beitrag "Einmal ist keinmal - oder?" werden One-night-stands als fantasievoll und leidenschaftlich dargestellt, Neugier wird geweckt, selbst diese Erfahrung zu machen.
Kein Wort wird verloren über die dabei stete Gefahr ungewollter Schwangerschaft (die meist mit Abtreibung endet), späterer Bindungsunfähigkeit und der Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten und AIDS bei häufigem Partnerwechsel.
Wir erwarten, dass Sie diese Antworten überarbeiten.
Sie haben selbst in dem BRAVO-Beitrag "Ich habe mein Baby bekommen" und "Ich habe abgetrieben" (BRAVO Nr. 44,1993) - wir sind dankbar dafür! - sehr anschaulich das Erleben der beiden 15-jährigen Daniela´s geschildert. Der Erfahrungsbericht von Daniela R. belegt klar, dass Abtreibung seelische Schäden (Post-Abortion-Syndrom) hinterlässt.
Übrigens ist gerade in den letzten Wochen in den Medien ein Themenwandel zu verzeichnen, ganz im Sinne der obigen Beiträge (s. "SPIEGEL", Mitte Juli: "Die neuen Werte: Ordnung, Höflichkeit, Disziplin, Familie", "Frankfurter Rundschau": "Noch nie war Schwangersein so trendy."). Knüpfen Sie doch daran an, d a s ist neuer Zeitgeist!
Auch die Aussagen des Dr. Sommer-Teams zur Homosexualität sind verantwortungslos!
Die Antworten zu "Schwul oder nicht?", "Schwul sein", "Wie lieben sich Homosexuelle?" (ebenfalls aus den Internetseiten) stellen fälschlich die Homosexualität als etwa gleichartig zur Heterosexualität, völlig normal und nicht therapierbar dar. Teilweise wird sogar regelrecht für Homosexualität geworben ("...Hier wird aber auch schon mal abgecheckt, was ´auf dem Markt´ ist und es geht mehr um ´Fleischbeschau´ und schnellen Sex. Probier aus, was dir in der Schwulenszene gefällt").
Um klarzustellen: Wir sind gegen Verurteilung und abfällige Bemerkungen bezüglich der Homosexuellen. Dazu ist das Problem zu ernst.
Ist dem Dr. Sommer-Team nicht die Vielzahl der Krankheiten bekannt, insbesondere HIV/AIDS, bedingt hauptsächlich durch die Sexualpraktiken der Homosexuellen?
Es ist unbarmherzig, keinen Weg aus der Homosexualität aufzuzeigen, den es tatsächlich gibt. Sie geben Adressen zur Schwulenszene bekannt. Geben Sie doch bitte Adressen bekannt, wo Homosexuelle e c h t e Hilfe bekommen können wie beim "Weißen Kreuz" oder der Seelsorge-Organisation "Wüstenstrom". Gern teilen wir Ihnen die Anschriften solcher Organisationen mit.
Zu diesem Komplex legen wir einen Fachbeitrag aus "Weißes Kreuz", Zeitschrift für Lebensfragen, Ausgabe 11/2001, Seite 4-9 bei.
Auch zu den genannten BRAVO-Beiträgen zur Homosexualität erwarten wir von Ihnen eine Korrektur, die sich an der Wahrheit und an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert.
Sie haben als Kinder- und Jugendzeitschrift eine besondere Verantwortung gerade für die moralisch-ethische Orientierung unserer heranwachsenden Menschen.
Dorothea Dehn - KALEB-Vorstandsvorsitzende
Walter Schrader - Geschäftsführer